Slowenisch-Kroatische Grenze
Slowenisch-Kroatische Grenze

Zwei Dinge ahnte ich noch nicht, als ich mich am 11.04.2013 von Ljubljana aus auf den Weg Richtung Mittelmeer und „Frühling“ machte: Zum einen, dass mir mit mehr als 2150 Höhenmetern der bis dahin anstrengendste Radeltag bevorstehen sollte, zum anderen, dass sich in der Folgenacht die für den Abend angekündigten „leichten Niederschläge“ zu einem 18-stündigen Sturm mit sintflutartigen Regenfällen auswachsen sollten. Zwei Hürden galt es also noch zu überspringen Richtung Frühling!

 

Durch ein permanentes auf und ab, mit vielen sehr steilen Rampen, war die Strecke von Ljubljana zur kroatischen Grenze wirklich sehr herausfordernd und zermürbend. Über den Tag verteilt summierten sich die Höhenmeter auf weit mehr, als bei den Alpenetappen!

 

Winter-Bergidylle in Kroatien
Winter-Bergidylle in Kroatien

Auch der Schnee kehrte zurück: Waren es am Vortag noch angenehme 15 Grad in Ljubljana, so war das slowenische, wie auch das angrenzende kroatische Bergland, wieder tiefwinterlich in weiß gekleidet!

 

Dennoch schaffte ich es an diesem Tag bis ca 35 km vor die Küste, musste dann aber der Abenddämmerung und den fehlenden Kräften Tribut zollen und schlug mein Nachtlager bei noch trockener Witterung zwischen Schneefeldern an einer Ansammlung hübscher Bergseen auf.

Kaum war ich im Schlafsack verschwunden, begann es zu regnen, und bald heftig zu stürmen und zu schütten. Dieses Wetter hielt die ganze Nacht über an, sodass es die bislang unangenehmste „Nachtruhe“ wurde. Auch am Vormittag war keine Besserung in Sicht, daher ging ich schon davon aus, den ganzen Tag im Zelt zu verbringen und richtete mich häuslich ein.

Gegen 13 Uhr hörte schließlich der Regen auf, und ich rang lange mit mir, ob ich dem „Frieden trauen konnte“. Schließlich hatte ich keine Lust, alles zusammenzupacken, das Zelt abzubauen, um dann erneut im strömenden Regen zu stehen. Aber ich hatte Glück und traf die beste Entscheidung des Tages: Ich konnte trocken den Weg zum Mittelmeer beginnen und mit jedem gefahrenen Meter besserte sich das Wetter weiter.

Der Elefant am Meer
Der Elefant am Meer

Nach einer langen und steilen Abfahrt erreichte ich schließlich nach nur 1,5 Stunden mein erstes Ziel: ICH WAR AM MEER!

 

Und schlagartig änderte sich mit diesem Zeitpunkt (standesgemäß) auch das Wetter: Schon am Abend konnte ich erstmals entspannt (ohne zu frieren) und sogar im T-Shirt vor dem Zelt sitzen.

 

Damit begannen wirklich angenehme Radeltage an der kroatischen Mittelmeerküste. Ich genoss jeden Sonnenstrahl in vollen Zügen und erfreute mich daran, dass mit jedem gefahrenen Kilometer die Vegetation mediteraner wurde, alles blühte und die Temperaturen stiegen schon am nächsten Tag auf 25 Grad an.

 

Besonders in den ersten Tagen an der Küste sorgte endlich einmal Rückenwind (den ich mir redlich verdient hatte) dafür, dass ich nur so dahinflog, ganz ohne große Anstrengungen Tagesetappen zwischen 130 und 160 km fuhr, und so schon heute am 16.04.2013, viel früher als erwartet, Dubrovnik an der Südküste Kroatiens erreichte.

 

Beeindruckend auf der Strecke war natürlich die Inselwelt vor der Küste, sowie die Landschaft am Festland selbst. Absolut erstaunt hat mich, dass insbesondere die ersten 200 km im Norden, also direkt nach dem grünen, wasserreichen kroatischen Bergland, völlig karg und felsig waren, und es erst Richtung Süden wieder grüner wurde.

Phantastisch waren die Ausblicke von der sich an der Steilküste windenden Küstenstraße aus, welcher ich auf einer Länge von mehr als 600 km folgte. So manch toller Zeltplatz mit atemberaubendem Meerblick und tollen Farbenspielen war inklusive! Zwar fehlen der kroatischen Küste nahezu jegliche Sandstrände, dafür gibt es herrliche Buchten und viele versteckte Inselchen zu entdecken!

 

...Pause...
...Pause...

Nachdenklich machten mich so manche Zeitzeugen des zurückliegenden Balkankrieges der 90er Jahre: Bunkeranlagen am Wegesrand, teils verlassene und aufgegebene Dörfer und Siedlungen, breite, in den Wald geschlagene Grenzschneisen, ähnlich der alten deutsch-deutschen Grenze,...

 

Einer der Folgen des Balkankrieges hatte ich auch zu verdanken, dass ich das Land Bosnien-Herzegowina quasi im vorbeiradeln mitnehmen konnte: Die Küstenlinie Kroatiens wird an einer Stelle auf ca 10 km Länge vom bosnischen Staatsgebiet unterbrochen. Dies war wohl eine Festlegung bei den damaligen Friedensverhandlungen, um dem Staat Bosnien-Herzegowina auch einen Zugang zum Mittelmeer zu gewähren. Somit passiert man heute innerhalb von 10 km zweimal die Grenze, und dies ermöglichte mir, ein weiteres besuchtes Land zu registrieren.

Weiteres interessantes Detail dabei: Momentan sind beide Grenzen relativ offen und mit wenig Kontrollen versehen, allerdings werden an beiden Übergängen gerade neue, sehr viel umfangreichere Grenzposten gebaut und eingerichtet. Auch dies konnte ich mir zunächst nicht erklären, bis ich im nachhinein las, dass Kroatien am 1. Juli 2013 als 28. Mitgliedsstaat der EU aufgenommen wird (B-H nicht), sodass es ab diesem Zeitpunkt auf den nur 10 Kilometern zwei EU-Außengrenzen zu bewachen geben wird, mit entsprechend umfangreichen Kontrollen – verrückt!!!

 

Was ich außerdem bedauere ist, dass ich viele "Kleinode" nicht entsprechend würdigen kann. Seien dies kleine, verträumte Dörfer, hoch oben an den Berghängen, die schlicht mit dem Fahrrad unmöglich zu erreichen sind, oder auch interessante Städte und Orte welche ich durchfahre, die ich aber aufgrund des nur schlecht sicherbaren Fahrrades / Gepäckes kaum anschauen kann. So ist das Fahrrad doch manchmal eine Last und sehr hinderlich. Wirklich Zeit nehmen kann ich mir für einen Ort nur, wenn ich eine feste Übernachtungsmöglichkeit habe und das Rad sicher verschließen kann. Dies macht mich momentan eher unzufrieden, da ich das Gefühl habe, vieles doch nicht wirklich zu sehen, obwohl ich da war!


 

Dubrovnik
Dubrovnik

Am 16.04.2013 bin ich schließlich bei noch immer herrlichem Frühlingswetter und strahlend blauem Himmel in der UNESCO-Weltkulturerbestadt Dubrovnik angekommen (mit dem Fahrrad über eine beeindruckend hohe, das Meer überspannende Brücke).

 

Der erste Eindruck der historischen Altstadt war atemberaubend, ich habe selten eine Stadt gesehen, die mich mit so brachialer Wucht traf! Einige Bilder der Altstadt zeige ich in einem eigenen Unterkapitel, obgleich ich das Gefühl habe, dass sie nicht annähernd den Glanz der Stadt wiederspiegeln!


Nun habe ich für 3 Nächte ein nettes Zimmer mitten in der historischen Altstadt bezogen, werde mich hier etwas erholen und natürlich weiter die Stadt entdecken und mich kulturell bilden, bevor es dann am Freitag Richtung Montenegro, Albanien und Mazedonien weitergehen wird.

Ich bin so gut in der Zeit, dass ich gerade über einen Umweg nachdenke und wahrscheinlich auch Bulgarien noch einen Besuch abstatten werde!

 

Viele Grüße und „do videnja“ aus Kroatien

 

Weitere Bilder siehe unter "Impressionen"